Tarotkarten: Was Leute glauben und was richtig ist.

Tarotkarten sind alt, sehr alt sogar: Seit dem fünfzehnten Jahrhundert werden eingesetzt, zuerst um Kartenspiele zu spielen, besonders in Italien und Frankreich. Es werden 78 Karten benutzt, welche in Trümpfe, die sogenannten grossen Arkana, deren 22 es gibt und in Farbkarten, den kleinen Arkana, von denen 56 Karten ein Set bilden, aufgeteilt sind.

Das ursprüngliche Kartenspiel hiess «Tarock» und wurde um 1425 in der Ebene des Pos in Norditalien erfunden. Ein paar Jahrhunderte später wurden die Karten erstmals zum Wahrsagen verwendet. Diese Funktion ist heute auch sehr viel bekannter als das ursprüngliche Spiel und dies obwohl solche Berühmtheiten wie Wolfgang Amadeus Mozart, Johannes Brahms oder Siegmund Freud leidenschaftliche Tarock-Spieler waren.

Teil der Magie, um dieses Kartenspiel liegt in den vier Buchstaben T, A, R und O. Schreibt man diese kreisförmig auf, ergibt sich ein Wort, das niemals endet. Beginnt man bei R zu lesen, ergibt sich das lateinische Wort für Rad, Rota. Dies ist zugleich auch das höchste, päpstliche Gericht. Es ergibt sich auch das Wort «Tora», das heilige Buch im Judentum und zuletzt kann man auch das Wort «orat» formen, was «er betet» bedeutet.

Ist dies der Schlüssel dazu, weshalb ein derartiger Mythos diese Karten umgibt? Und um welche falsche Vorstellungen gibt es?

  1. Niemals selbst eigene Tarotkarten kaufen.

Wenn wir anschauen, wie viele Kartenvarianten es gibt, wie viele verschiedene Sets und Theorien dazu, dann könnte wohl kein Tarotleger seine Tätigkeit vernünftig ausführen. Für Kartenleger ist es wichtig, sich wohlzufühlen mit den Karten, denn schliesslich ist es das tägliche Arbeitswerkzeug.

  1. Lasse niemals jemanden anderen deine Karten berühren.

Auch ein Mythos, denn oft lassen sich die Wahrsager «in die Karten schauen»: Dies trägt dazu bei, dass Leute, die sich von Tarotkartenlegern beraten lassen möchten, eher das ganze Potential der Karten erkennen.

  1. Tarotkarten ist nur für die Zukuntsvorhersage geeignet.

Tarotsitzungen sollten nicht in klaren Aussagen enden, was in fünf Jahren passieren wird. Im Idealfall werden mehrere Möglichkeiten aufgezeigt und man kann durch aktive Entscheidungen die Zukunft beeinflussen.

  1. Man muss das Geburtsdatum der Person kennen.

Ein bekannter Irrglaube ist, dass man nur dann akkurate Resultate erzielt, wenn man das Geburtsdatum der Person kennt. Da das Geburtsdatum über das Sternzeichen Aufschluss gibt, wird es oft sogar dazu benutzt, falsche Aussagen zu treffen – der Kartenlegende könnte dann dazu geneigt sein, verallgemeinernde Aussagen zu treffen, statt sich auf das Individuum zu konzentrieren.

  1. Die Todeskarte bedeutet Tod.

Hier weicht die Meinung verschiedener Medien ab: Die einen sagen, dass die Todeskarte tatsächlich «Tod» bedeute, während andere die Bedeutung relativieren und von einer grossen Veränderung ausgehen. Man kann sie also auch so auffassen, dass Altes endet und sich neue Chancen ergeben, welche es zu ergreifen gilt, sei es in der Liebe oder im Beruf.

  1. Man kann Tarotkarten nicht trauen.

Das ist eine sehr einseitige Anschauungsweise, denn wie bei vielen Dingen hängt es davon ab, ob sie dem Empfänger helfen oder nicht. Genauso wie Akkupunktur nicht jedem Patienten hilft, muss man für sich selbst herausfinden, ob Tarotkarten passen, oder nicht.

Kann man lernen, Tarotkarten zu legen?

Mystisch sind sie, die Tarotkarten. Alt auch, bereits viele Jahrhunderte alt sind die Karten und seit dem 18. Jahrhundert werden die Decks zur Wahrsagung benutzt. Zuerst als Spielkarten benutzt, hat man ihre wahrsagerischen Kräfte entdeckt. Doch, um die magischen Kräfte zu erkennen und sie auszuschöpfen, bedarf es einigen Könnens.

Es gibt verschiedene Decks Tarotkarten, alle mit unterschiedlichen Bedeutungen. Diese Unterschiede sind teils sehr klein, aber teils auch massiv. Gerade «neuere» Kartendecks werden oft mit einem Buch zusammen verkauft, hier sollte man sich also genügend Zeit lassen, die passenden Karten auszuwählen.

Am Bekanntesten sind weithin die «Marseille» Tarotkarten, das «Waite» Tarot und das «Crowley» Tarot. Hat man sich einmal ein passendes Deck ausgewählt, sollte man sich daran machen, die Karten und ihre Bedeutungen zu studieren. Hierbei helfen Bücher, Online Videos oder Webseiten, es gibt aber natürlich auch Kurse, die sich mit den Bedeutungen der verschiedenen Karten beschäftigen.

Tarotkarten sind sehr zahlreich, ein pures Auswendiglernen ist also sicherlich schwierig. Einfacher wird’s, wenn man eine persönliche Beziehung aufbaut. Welche Karte beschreibt meinen Tag? Welche Karte charakterisiert meinen besten Freund?

Auch sollte man sich darüber im Klaren sein, was man mit dem neuen Wissen erreichen möchte: Wenn man ein Ziel vor Augen hat, lässt es sich leichter darauf hin arbeiten.

Anfänger sollten sich jeden Tag eine Karte ziehen, welche sie dann deuten: Dies kann man entweder tun, um mehr Übung zu erhalten, oder um einen ersten Einblick in den bevorstehenden Tag zu haben.

Eine gute Idee ist beispielsweise, eine Karte zu ziehen, diese zu betrachten, die Deutung, welche man auswendig weiss, aufzuschreiben und dann die Information zu ergänzen mit Wissen aus anderen Quellen.

Tarotkarten arbeiten mit Bildern. Der Schlüssel zum Verständnis liegt also in der Bedeutung der Bilder. Man soll sich Zeit nehmen, diese eingehend zu betrachten. Was sieht man? Wen sieht man? Was passiert? Was ist die Moral der Geschichte? Was hat diese Geschichte mit mir zu tun? Welche Lektionen kann man aus der Karte ziehen?

Man ist sein bester Kunde! Entgegen den Mythen kann man durchaus Tarotkarten für sich selbst legen und nichts Negatives geschieht. Im Gegenteil, dies führt dazu, dass man mit den Karten vertrauter wird und sich auch selbst besser kennenlernt. Denn Tarot ist vor allem eines: Ein (Selbst-) Entwicklungswerkzeug.

Nicht überfordern! Wenn man sich an Aufstellungen wagt, kann man gut mit kleineren, Drei-Karten-Aufstellungen arbeiten. Diese Aufstellungen sind einfach für Anfänger, aber auch Fortgeschrittene verwenden sie, um die Einfachheit zurück in komplizierte Fragen zu bekommen. Dieser kleine Spread ist gut geeignet, sich eine Geschichte rund um die Karten zu überlegen und eine erste, kleine Lesung zu machen.

Man kann also sagen, dass Tarotkarten zu legen eine erlernbare Sache ist. Steht man den Karten offen gegenüber, ist interessiert an einem solchen Erlebnis und bereit, einige Stunden zu investieren und sauber zu lernen, kann man diese Art der Wahrsagerei sehr gut erlernen.